SPUNK 2

Zur Ausstellung CROSSING MUNICH.
Orte, Bilder und Debatten der Migration

Rathausgalerie München, 2009

mit Christine Lederer und Kathrin Reikowski

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Fotos: Jörg Koopmann

Kathrin Reikowski und Karin Bergdolt mit Christine Lederer untersuchen in ihrer Arbeit, wie migrantische Literatur in eine bildnerische Sprache ngebracht werden kann – wenn es diese Literatur als solche überhaupt gibt! Die Fragen nach Identität und Labelling sind entsprechend dem Wesen künstlerischer Arbeit von den subjektiven Haltungen seitens der Autorinnen und Autoren geprägt. Wie lassen sich dann die Antworten auf die Fragen nach den Zusammenhängen zwischen ihrer Herkunft und ihren sprachlichen Bildern erfassen und kategorisieren? Wie sehen ihre Sprachwerkzeuge aus? Welche unterschiedlichen Sprachformen wählen sie? Wird ein eigenes Handwerkszeug benutzt und wenn, wie wird es (anders) eingesetzt? Werden sie hinsichtlich ihrer Arbeit von „anderen“ Bedürfnissen geleitet, als dies ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen tun?

Um sich diesen Fragen mit einer bildnerischen Antwort zu nähern, entsteht SPUNK 2 ★:

Als Grundlage dienen die von Kathrin Reikowsky ausgewählten Zitate aus Interviews mit Autorinnen und Autoren mit migrantischem Hintergrund: Ein daran geknüpftes, von Karin Bergdolt neu geschaffenes zeichnerisches „Wort-Bild-Alphabet“ steht stellvertretend für diese Aussagen: Die Zeichnungen sind verspielt, aber auch ernsthaft; sie versuchen das Wesen dieser „migrantischen Literatur“ aufzunehmen, möchten die bestehende Zweideutigkeit mancher Aussagen aber auch nicht auflösen: Die Frage danach, ob es die „migrantische Literatur“ überhaupt gibt, wird damit an die Betrachtenden bewusst weitergegeben. Es entstehen 25 Arbeiten – von A bis Z, zu jedem Buchstaben ein in Form gebrachter Gedanke. Schnell, skizzenhaft, subjektiv. Einzelne Fotos ergänzen das Zeichnerische.

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Aus den Zeichnungen/ Fotos entsteht in Zusammenhang mit den Interview-Zitaten ein Schreibblock, der nochmals eine neue Sichtweise auf das gesprochene Wort der Autorinnen und Autoren lenkt. Christine Lederer ist die Urheberin dieser Seiten. Sie gestaltet jede einzelne Seite neu, auf individuelle Weise – gemäss dem einzelnen Buchstaben, gemäss dem Zitat.



★ „In der Folge 9 der Serie sucht Pippi Langstrumpf etwas, das sie einen „Spunk“ nennt. Nahezu alles was ihr begegnet, wird daraufhin überprüft. Ein wildes Tier wird vermutet, im Bonbonladen sucht sie mit ihren Freunden ebenso nach „Spunk“ wie im Metallwarenladen. Schließlich lässt sie sich vom Arzt auf „Spunk“ untersuchen. Dieser bescheinigt ihr nach gründlicher „Spunkuntersuchung“ beste Gesundheit. Astrid Lindgren hatte das Wort „Spunk“ gewählt, weil es ein Wort sein sollte, das es nicht gibt.“

Dafür steht ein Wort – der SPUNK – SPUNK 2. SPUNK 2 steht für etwas, das ein „Nichts“ bezeichnet – und dennoch mit einer sehr starken Vorstellung besetzt ist. Gibt es migrantische Literatur oder gibt es sie nicht? Doch – ja, es gibt sie – aber wie sieht sie aus, wenn sie erfunden worden ist? So wie es den SPUNK II gibt, immer wieder neu, eigenständig und doch definiert.



Crossing Munich verbindet als forschendes Ausstellungsprojekt grenzüberschreitend Wissenschaft und Kunst, um Geschichte und Gegenwart der Migration in München neu zu erzählen. Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt des Kulturreferats der Landeshauptstadt München in Kooperation mit dem Institut für Ethnologie, dem Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie und dem Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität.